Alinas Jahr in den USA

Ich bin Alina und war im Schuljahr 2015/2016 in Amerika. Hier könnt Ihr über meine schönsten Erlebnisse lesen, über Schwierigkeiten und Unterschiede. Viel Spaß!

Ein Auslandsjahr ist wie eine Achterbahnfahrt …

Ein Auslandsjahr ist wie eine Fahrt mit der Achterbahn. Zuerst will man unbedingt damit fahren und ist sehr fasziniert von der Vorstellung, dann geht es schnell. Man muss einsteigen und es kommen die ersten mulmigen Gefühle. Dann gibt es Hochs und Tiefs. Aber es wechselt sehr schnell. Am Ende ist man ein bisschen traurig, dass es schon vorbei ist; ein bisschen stolz, dass man es überlebt hat; erfreut wieder festen Boden unter den Füßen zu haben; und eigentlich würde man am liebsten sitzen bleiben und noch mal fahren.“

IMG_9777Dieser Vergleich kommt all dem, was ich während eines Jahres in einem fremden Land gefühlt und erlebt habe, sehr nahe. Man wächst an den positiven und negativen Erfahrungen und am Ende würde man all das eigentlich gerne noch mal erleben.Ich hatte im vergangenen Schuljahr die Chance in den USA zu leben und dort meinen Traum von einem Auslandsjahr zu verwirklichen. Vorab möchte ich bei allen, die dies möglich gemacht haben, „Danke!“ sagen.

Mein Start ins Auslandsjahr

Nach der Nominierung für das Stipendium im Februar und dem Vorbereitungsseminar von Partnership International im Mai, bekam ich die Platzierungsunterlagen und Information über meine Gastfamilie Ende Juli. Mein Zuhause für die kommenden zehn Monate sollte ein kleines Städtchen im Bundesstaat North Carolina werden.

Nach der langen und anstrengenden Anreise wurde ich bereits am Flughafen sehr herzlich und liebevoll von meiner Gastfamilie willkommen geheißen. Meine Gastfamilie hat mich sehr herzlich in ihre Familie integriert und hatte mich bereits nach kurzer Zeit in ihr Herz geschlossen. Bereits im September, während des „Labour Day Weekend“, sind wir gemeinsam nach Washington DC gefahren.

Heimweh

Auch, wenn ich diese einmalige und wundervolle Erfahrung auf keinen Fall missen möchte, war es nicht immer einfach für mich. Ich hatte zwar keine schwerwiegenden Probleme mit meiner Gastfamilie oder in der Schule, jedoch fühlte ich mich oft nicht richtig wohl und hatte Schwierigkeiten mich zu integrieren, was oft Heimweh zur Folge hatte. Ich konnte mich nicht hundertprozentig auf dieses komplett andere Familienleben einlassen. So viele Dinge waren anders, als ich sie aus Deutschland kannte. Auch wenn ich nie das Gefühl hatte, dass ich nicht willkommen war, dauerte es doch einige Monate, bis ich mich dort wohl fühlte.

Ebenso erging es mir in der Schule. Im Grunde hat es etwa das ganze erste Halbjahr gedauert, bis ich richtig gute Freunde gefunden hatte. Ich hatte zwar bereits im Herbst in einem Theaterstück mitgespielt und so mit vielen Leuten Zeit verbracht, jedoch hatte ich noch keinen richtigen Anschluss gefunden.

Sobald das zweite Halbjahr jedoch begann, hat sich dies starkDSC_0522
verbessert. Was mir besonders geholfen hat, war, dass ich meine Lehrerinnen sehr mochte, besonders meine Mathelehrerin und meine Musiklehrerin, bei denen ich auch in beiden Halbjahren Unterricht hatte, und der Unterricht sehr viel Spaß machte. Meine Musiklehrerin, bei der ich Chor und Musiktheorie belegte, war ebenfalls Leiterin des „Showchoir“, der Ende des Jahres 2015 gegründet wurde und bei dem in Mitglied war. Ich war sehr involviert im „Showchoir“ und in der Musicalproduktion an meiner High School. Auch wenn es dann nur noch etwa vier Monate waren, die ich noch in den USA übrig hatte, habe ich so viel Zeit wie möglich mit meinen Freunden verbracht, die ich in der gemeinsamen Zeit bei Proben, Shows oder Konzerten sehr ins Herz geschlossen habe und sich wirklich einige sehr tiefe Freundschaften gebildet haben. Alle meine liebsten Erinnerungen während meines Auslandsjahres habe ich mit meinen Freunden erlebt. Ich habe mich durch dieses Jahr verändert und bin nicht nur selbstständiger sondern auch sehr viel selbstbewusster geworden, was auch eins meiner persönlichen Ziele für diese Zeit war.

Vom Theaterspielen

IMG_8138Eine meiner schönsten Erinnerungen ist die Reise des „Theatre Departments“ nach New York City, was auch eines meiner Highlights des Jahres war. In zwei Tagen haben wir unglaublich viel gesehen und erlebt. Wir haben an einem Workshop, der von einem Broadway Darsteller geleitet wurde, teilgenommen, zwei Musicals am Broadway gesehen und viele Sightseeing Attraktionen besucht. Ich bin so unglaublich dankbar, dass ich auch diese Möglichkeit hatte und einen weiteren Traum von mir, New York zu besuchen und ein (bzw. in dem Fall sogar zwei) Musical(s) am Broadway zu sehen, erleben zu dürfen.

Unsere Theaterabteilung ist mir besonders sehr ans Herz gewachsen. Ich habe mich dort so wohl gefühlt und habe dort ganz besondere und talentierte Menschen kennengelernt, mit denen ich gleiche Interessen teile, und hatte unglaublich Spaß mit ihnen. Ich bin oft über meinen eigenen Schatten gesprungen und besonders dadurch und durch meine Lehrerin, die mich besonders unterstützt hat, über mich hinausgewachsen und mein Selbstbewusstsein wurde sehr gestärkt. Wenn ich nur einen Grund nennen müsste, warum ich wieder zurück wollte, wären es definitiv die Theaterleute. Ich konnte in den USA Dinge tun, die ich zwar immer wollte, aber zu denen ich nie die Chance hatte oder, die ich mich nicht getraut hatte. Wie zum Beispiel, das ich sehr viele Male auf der Bühne stehen durfte, egal ob ich gesungen, geschauspielert oder getanzt habe.

Habt ihr eigentlich einen Fernseher?

DSC_0193Sobald meine Mitschüler übrigens mitbekommen hatten, dass ich aus Deutschland war, wurden mir viele Fragen gestellt und sehr viele von ihnen waren sehr interessiert, wie auch meine Gastfamilie. Teilweise waren die Fragen allerdings auch ein wenig komisch, da sie über Dinge waren, die für uns selbstverständlich sind. So wurde ich beispielsweise gefragt, ob wir denn auch Fernseher in Deutschland haben oder ob ich zuhause in Deutschland Englisch oder Deutsch mit meiner Familie spreche. Viele waren überrascht, dass mein Englisch so gut war und haben mich oft gefragt, wo ich dies denn gelernt hätte. Auch, als ich ihnen erzählte, dass ich meine Englischkenntnisse in der Schule gelernt hatte, waren sie sehr fasziniert. Das kam mir erst etwas kurios vor, besonders, weil ich wusste, dass an der High School ebenfalls Fremdsprachen (Spanisch und Französisch) angeboten wurden. Doch im Unterschied zu deutschen Schülern fangen Amerikaner oft erst in der High School an, eine Fremdsprache zu lernen und diese ist auch nur für zwei Semester verpflichtend. Für deutsche Schüler ist dies schon fast undenkbar, da man bereits im Grundschulalter beginnt, Englisch zu lernen.

Typisch USA

Viele der Erwartungen, die man gegenüber der USA hat, wurden mir
bestätigt. Eines war die Wichtigkeit des Sportes an den High Schools. Als ich Mitglied des Schwimmteams war, ist mir besonders aufgefallen, wie stark alles auf Wettbewerb beruht. Dies hat zur Folge, dass es sehr viele Awards, Anerkennungen und Zertifikate, besonders im Bezug auf Sport, gibt und diese sehr oft bei großen Veranstaltungen, den „Award Nights“, vergeben werden. Die Schule ist generell der Mittelpunkt in dem Leben eines amerikanischen Jugendlichen, da nach Unterrichtsschluss zeitintensives, tägliches Sporttraining, Clubs oder andere Beschäftigungen die Nachmittagszeit einnehmen. Ebenfalls fiel mir das so viel größere und ausgefallenere Angebot an Fächern auf. Definitiv habe ich diese Art von Schule für das eine Jahr sehr genossen, da ich es im Allgemeinen stressfreier empfand, als an meinem Gymnasium in Deutschland.

Ein weiteres „typisch amerikanisches“ Ereignis war die „Prom“, der Abschlussball im Mai. Für die Mädchen hieß dies, dass ein Kleid und Schuhe besorgt werden musste und Jungs mussten sich einen Anzug besorgen. Anschließend habe ich mich mit meinen Freunden getroffen, mit denen ich gemeinsam zum Abschlussball gegangen bin. Bevor wir alle zusammen essen gingen, haben wir Fotos gemacht, was auch ganz typisch dazugehört. Am Abend sind wir dann zu unserer High School gefahren und der richtige Abschlussball fand in der Sporthalle statt.

IMG_0313Ein anderes sehr besonderes Ereignis war die „Graduation“, also die Abschlussfeier der „Seniors“ (12. Klässler). Obwohl ich erst in der 11. Klasse war, durfte ich an diesem Event teilnehmen, da ich eine Austauschschülerin war. Ganz Traditionell mit „Cap and Gown“ fand diese Zeremonie auf dem Footballfeld statt.

Fazit

Diese zehn Monate waren die bis jetzt wohl außergewöhnlichsten, aufregendsten und erfahrungsreichsten, die ich erlebt habe. Ich bin unglaublich dankbar, dass ich dieses Jahr erleben durfte und werde diese Erfahrungen mein Leben lang mit mir tragen. Ich habe mich und die Welt besser kennengelernt. Für all das – Danke!

Alinas Erzählung wurde von uns gekürzt

Johanna Maurer
Bei Fragen helfe ich
gerne weiter!
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