PPP-Stipendiaten erzählen: Emmy berichtet über Unterschiede und Veränderungen

In den nächsten Wochen berichten einige unserer PPP-Stipendiaten aus dem Schuljahr 2017/18 von ihrer Zeit in den USA. Jede und jeder von ihnen erzählt über ein besonderes Thema, das sie während ihres Austauschs besonders bewegt hat. Emmy berichtet von den Unterschieden zwischen den USA und Deutschland, und wie sie selbst sich durch ihren Austausch verändert hat.

Meine Zeit in den USA

Diesen Bericht zu schreiben macht mich sehr sentimental. Es ist kaum zu fassen, dass das gesamte Austauschjahr schon vorüber ist. Andererseits macht es mich auch sehr glücklich, einen Bericht über so ein aufregendes, erfolgreiches und schönes Erlebnis zu verfassen. Denn diese zehn Monate in Plainfield, Indiana waren mit die schönsten meines Lebens.

Ein großer Teil dieses deutsch-amerikanischen Austausches war es, als Junior-Botschafter eine gute Verbindung zwischen den USA und Deutschland herzustellen. Es fing für mich damit an, die amerikanische Kultur kennen zu lernen. Dabei habe ich natürlich auch viele Unterschiede kennengelernt.

Alltag

Jeden Morgen bin ich aufgestanden und die Unterschiede zum deutschen Alltag fingen schon an. Wir haben kaum gefrühstückt und dann wurde ich luxuriöser Weise mit dem Auto eine halbe Stunde lang von meinem Gastvater Donnie zu meiner Schule in Danville gefahren. Fahrradfahren wie zuhause konnte ich eigentlich nie, da die Distanzen einfach viel zu groß waren. Es war immer so entspannt, im Auto richtig wach zu werden und sich auf die Schule vorzubereiten.

Schule

Der Unterricht fing spät an und ich hatte neben gewöhnlichen Fächern wie Mathe, English, Geschichte, Französisch und Physik auch Fächer wie Theater, Fashion, Nutrition und Photography. Der Schulalltag war also nie so trocken, wie er es manchmal in Deutschland sein kann. Auch Mittagessen war sehr amerikanisch. Wir saßen an vielen Tischen in der Cafeteria und konnten uns an der Salatbar ein Mittagessen zusammenstellen. Es war lustig anzuschauen, dass es in der Cafeteria wirklich eine Tischaufteilung (je nach Zugehörigkeit zu einer Gruppe) wie in jedem Highschool Film gab. Nach der Schule nahm ich dann mit Freunden an Schulaktivitäten wie Volleyball und Musical teil, wir gingen zu Football Spielen oder ich ging mit meinen besten Freunden ins Fitnessstudio. Dort fuhren wir immer mit dem Schulbus hin und ich wurde danach von meiner Gastmutter Sharon abgeholt und wir aßen gemeinsam zu Hause oder im Restaurant zu Abend. Nach den Hausaufgaben und verbrachter Zeit mit meiner Gastschwester Rachel ging ich immer relativ früh schlafen. All diese Details und das alltägliche Leben lehrten mich sehr viel über die amerikanische Kultur. Die Highschool zeigte mir die Einstellung der Schüler, die Sport meistens sehr viel ernster nahmen als Schule. Und es zeigte mir die Unterrichtsweise, die nicht unbedingt einfacher war, einen aber weniger zum Diskutieren anregte.

Volunteering

Neben Schule gab es aber noch andere Dinge, die anders sind als in Deutschland. Oft war ich beim Volunteering und machte Sport mit behinderten Kindern. Es gibt so viele soziale Einrichtungen und so viele Menschen, die freiwillig Sozialarbeit leisten.

Deutschland und die USA im Vergleich

Ein weiterer Teil des Botschafterdaseins bestand daraus, die deutsche Kultur
 in Amerika vorzustellen.Die deutsche Schule hat auch alle sehr beeindruckt. Es war schwer, zu erklären, dass wir nachmittags keinen Sport, keine Band und kein Theater in der Schule hatten, ohne dass es einen Schatten aufs deutsche Schulsystem warf. Auch als ich erklärte, wie wir lernen und durch die Woche gehen, waren alle sehr überrascht, aber auch durchaus positiv. Viele Schüler erzählten, dass sie bestimmt alle durchfallen würden, wenn die Schule bei ihnen so laufen würde. Aber auch diesem Gedanken kam ich mit dem Argument entgegen, dass wir früh lernen, wie man richtig lernt und mitkommt.

Manchmal war es sehr einfach Deutschland darzustellen, zum Beispiel als ich gefragt wurde, welche Sprache wir sprechen. Oftmals wurde es auch schwieriger, zum Beispiel, wenn es um deutsche Geschichte ging. Man kann sich eigentlich nur für einige Teile unserer Geschichte entschuldigen und erklären, dass deswegen der Stolz auf Deutschland für Deutsche schwierig sein kann. Trotzdem habe ich immer betont, dass es einfach ist, auf die „Dichter und Denker“ und die Kultur in Deutschland stolz zu sein.

Auch die große Auswahl an Parteien hat viele Amerikaner immer sehr beeindruckt.

Vorurteile

Auch auf Vorurteile kam ich zu sprechen, zum Beispiel dass die deutsche Sprache so aggressiv klingt. Zum Teil ist das natürlich wahr, aber nachdem ich ein paar Fragen auf Deutsch beantwortet hatte, legte sich auch dieser Stereotyp.

Zur Kulturvermittlung gehörte aber auch, nicht auf Vorurteile gegenüber den USA zu achten und sich selbst ein Bild zu machen. So hatte ich zum Beispiel oft gehört, dass Schüler sehr kumpelhaft mit den Lehrern umgehen. Ich fand die Schüler-Lehrer Beziehungen aber immer sehr angemessen. Oder dass sich Amerikaner nicht für andere Kulturen interessieren. Aber es kamen so oft Menschen zu mir, die mehr über mein Heimatsland und Europa wissen wollten, dass ich dieses Urteil nur zurückweisen kann.

Unterschiede – für mich persönlich

Während meines Austauschsjahrs habe ich versucht, mein Bestes zu geben, nie zu viel zu erwarten und nicht aufzugeben. Ich bin unglaublich dankbar, dass ich ins PPP aufgenommen wurde. Ansonsten hätte ich niemals Indiana, Ohio, Florida, Georgia, Missouri, Chicago und Washington D.C. besucht. Ich hätte nie meinen ersten gelben Schulbus gesehen, hätte nie viermal die Woche im Restaurant gegessen, hätte nie meinen eigenen Spind bekommen, hätte nie in so einem professionellen Musical mitgespielt, hätte nie den Ernst von Sport wahrgenommen, mein Englisch hätte sich nie so verbessert und ich wäre nie so viel eigenständiger geworden.

Mein Weltbild hat sich verändert und ich habe riesiges Fernweh bekommen. Ich habe so viel Fremdes kennengelernt, aber vor Allem mich selbst. Ohne wirkliche Absicherung in einem unbekannten Land zu sein, lässt dich mit dir selbst auskommen. Außerdem weiß ich jetzt auch, was ich später mal studieren will. Es ist ein großer Traum, aber als ich im Vorbereitungsseminar so beseelt von den Debatten war und als ich in Washington DC die Botschafter kennengelernt habe, wusste ich, im auswärtigen Dienst zu arbeiten wäre etwas für mich. Und in den 10 Monaten durfte ich ja sogar ein wenig Botschafter sein. Jetzt weiß ich, was ich später machen möchte und ich werde hart dafür arbeiten, mir diesen Traum zu erfüllen. Wie hätte ich das ohne Reisen denn über mich selbst herausgefunden?

Claudia Kühne
Bei Fragen helfe ich
gerne weiter!
Telefon: 0221-913 97 33
WICHTIGE LINKS

Deutscher Bundestag
Alle Informationen zum PPP.

Mitmischen
Das Jugendforum des Bundestags gibt Jugendlichen die Möglichkeit, direkt mitzureden und über bundespolitische Themen zu diskutieren.

Informationsbroschüre für Gastfamilien
Hier finden Sie alle wichtigen Informationen zu unserem Gastfamilienprogramm auf einen Blick.