Kerstins Austausch in den USA

Hi, mein Name ist Kerstin und ich werde mit Partnership International e.V. meinen Schüleraustausch in den USA verbringen. Über meine Zeit dort werde ich regelmäßig hier schreiben.

So war mein Auslandsjahr

Nachdem ich ein Jahr lang das amerikanische Leben kennen lernen durfte, habe ich so einiges erlebt, was natürlich viel zu viel wäre, um von allem hier zu erzählen. Aber in diesem Bericht werde ich euch einen kleinen Einblick in mein Auslandsjahr geben, was mir besonders gut gefallen hat, was ich vermissen werde, was ich daraus gelernt habe und wie ich mich entwickelt bzw. verändert habe.

Vor meinem Abflug in mein Auslandsjahr in die USA hatte ich viele Vorstellung und Ideen, wie mein Jahr verlaufen könnte, viele davon wurden erfüllt oder sogar übertroffen. Zum Beispiel hatte ich meine Vorstellung über meine Gastfamilie, welche weit übertroffen wurde. Ich hatte 3 Gastschwestern, wovon eine allerdings schon ausgezogen war, und Gasteltern, mit denen ich mich allen sehr gut verstanden habe. Wir haben viel zusammen unternommen und sind auch ein paar mal zusammen verreist, zum Beispiel waren wir in Seattle, Florida und Montana. Aber das ist nicht der einzige Grund, warum ich meine Gastfamilie so mochte. Meine Gastfamilie nahm mich liebevoll und mit offenen Armen auf, sie bemühten sich immer sehr, mir das Gefühl zu verleihen als wäre ich ein richtiges Mitglied ihrer Familie. Sie halfen mir mit allen meinen Problemen und wollten mir ihre Kultur zeigen.

Eine andere Sache, die mir besonders gut gefallen hat, war meine High school. In meinem Auslandsjahr konnte ich das High School Leben hautnah miterleben. Besonders gut am Leben an der High School haben mir die Extracurricular Activities, das Fächerangebot und die Schulbälle gefallen. An meiner Schule habe ich mich nach der Schule in einigen Sportteams beteiligt. In der Wintersaison spielte ich zum Beispiel Basketball und in der Frühjahrssaison spielte ich Tennis. In diesen Teams, aber auch in meinen Klassen, fand ich viele neue Freunde. Mit einigen meiner neuen Freunde ging ich dann zu Veranstaltungen, wie zum Beispiel den Schulbällen. Ein anderes Highlight und ein sehr guter Abschluss meiner High School Zeit war die Graduation, an der ich teilnehmen durfte.

In meinen Auslandsjahr habe ich natürlich viel dazu gelernt und mich auch verändert. Ein Jahr ohne meine deutsche Familie und Freunde zu leben hat mir geholfen, selbstbewusster und selbstständiger zu werden, da ich nach meiner Ankunft in den USA erstmals auf mich selbst gestellt war und vieles alleine und selbstständiger regeln musste. Ein Jahr im Ausland zu leben hatte auch Auswirkungen im sozialen Bereich. Ich habe hier sehr viele neue Menschen kennengelernt und viel über deren Kulturen gelernt. Natürlich hat mich dieses geprägt und mich toleranter und offener gegenüber anderen gemacht. Ich habe gelernt, andere zu akzeptieren und respektieren.

Die Erfahrungen die ich gesammelt habe werde ich natürlich nie vergessen. Meine Freunde und meine Gastfamilie, die sich mittlerweile wie eine zweite Familie anfühlt, werden jetzt immer Bestandteil meines Lebens bleiben. Alles in allem kann ich sagen, dass dieses Jahr eines der besten Erfahrungen in meinem bisherigen Leben war und ich es auf jeden Fall noch einmal machen würde.

Unterschiede zwischen Deutschland und den USA

Da ich bereits seit über 8 Monaten hier in den USA lebe, habe ich schon sehr viele Unterschiede bemerkt. Darunter gibt es größere aber auch kleine, alltägliche Unterschiede. In diesem Bericht möchte ich Euch aber vor allem das unterschiedliche Schulsystem ein wenig näher bringen.

Kerstin2Zuerst einmal gibt es hier nur Gesamtschulen, wo alle Schüler, unabhängig von deren Lernlevel, hingehen. Die einzige Differenzierung besteht zwischen sogenannten “AP” oder “honors classes” zu den Grundkursen. Schülern wird hier ein wesentlich größerer Freiraum gegeben. Solange sie die Pflichtfächer (wie zum Beispiel Mathe, Englisch und Geschichte) belegen, um “Credits” für den Schulabschluss zu sammeln, können sie sich ihren Stundenplan frei zusammenstellen. Dabei wird ihnen eine große Auswahl angeboten. Wie zum Beispiel Fotografie, Keramik, Racquet Sports, Aerobics, Gewichte heben oder auch Kochklassen. Durch die freie Fächerwahl, sind in einer Klasse meistens Schüler aus allen Stufen. Außerdem hat ein Schüler meiner Highschool nur 6 Fächer, die er jeden Tag für ein Halbjahr hat. Die Atmosphäre in den Klassenzimmern unterscheidet sich auch zu der in Deutschland. Während Lehrer an deutschen Schulen meist streng sind, sind die Lehrpersonen in amerikanischen Schulen meist lockerer und netter. Es scheint als wären Schüler und Lehrer fast befreundet, welches unter anderem daran liegt, dass einige Lehrer die Trainer der Schulteams sind und somit fast täglich den Nachmittag zusammen mit ihren Schülern verbringen.

Da kommen wir zu einem weiteren Gegensatz und großen Bestandteil des amerikanischen Schullebens. “Extracurricular activities”, dies sind Freizeitangebote, die an der Schule nach dem Unterricht stattfinden. Hierunter befinden sich AGs oder auch Sportmannschaften. An einer amerikanischen Highschool identifizieren sich Schüler mit ihrer Highschool und sind stolz darauf auf ihre Schule zu gehen. An einem Spiel von einer Sportmannschaft der eigenen Highschool kommen deswegen viele zum Anfeuern des eigenen Teams.

Ein weiterer Unterschied sind die Schulbälle. Die meisten High Schools haben Kerstin1
zwei in einem Schuljahr, Homecoming und Prom. An meiner High School war der Homecoming Ball bereits im September und Prom ist Anfang Mai. Der Homecoming Ball ist für alle Stufen offen und sehr viele Schüler gehen auch hin, entweder in einer großen Gruppe von Freunden oder mit einem Date. Mädchen tragen meistens ein kurzes, förmliches Kleid und Jungs einen Anzug. Bei mir war der Ball an einem Samstag Abend in der Schule. Ich ging mit meinen Freunden zusammen dorthin und hatte sehr viel Spaß. Im Mai ist dann Prom, worauf ich mich auch schon sehr freue. Allerdings ist dieser Schultanz förmlicher und nur für die 12. Klässler, die sogenannten “Seniors”, da sie im Sommer die Highschool verlassen werden. Nach vier Jahren gehen die meisten Schüler zu einer Universität, einige jedoch beginnen eine Ausbildung oder fangen direkt an zu arbeiten um Geld zum Studieren zu sparen, da dies hier sehr viel teurer ist als in Deutschland.

Ich hoffe, dass ich euch in diesem Bericht einen kleinen Einblick in das amerikanische Schulleben geben konnte und euch vielleicht dazu ermutigen konnte selber so eine einmalige Erfahrung zu machen.

 Mein Weihnachten und Silvester in den USA

kerstin weihnachten 1Mein erstes amerikanisches Weihnachten und Silvester war sehr anders als es in Deutschland normalerweise ist. Das erste Mal nicht zusammen mit meiner Familie an Weihnachten zu sein, war eine komplett neue Erfahrung. Allerdings freute ich mich dennoch sehr darauf, Weihnachten in den USA erleben zu dürfen.

In den Wochen vor Weihnachten hatte meine Gastfamilie einige Traditionen, die für mich neu waren. Wie zum Beispiel, dass meine Gastfamilie jedes Jahr Ende November einen Weihnachtsbaum kauft. Jedoch mussten wir den Baum selber mit einer Säge fällen. Einige Tage später haben wir diesen dann auch schon sehr bunt geschmückt, genauso wie das komplette Haus von innen. Einige Tage vor Weihnachten legten wir dann auch schon alle Geschenke unter den Weihnachtsbaum.

Weihnachten feierte ich hier mit meiner Gastfamilie am Abendkerstin weihnachten 2
des 24ten und am folgenden Tag, den 25ten. Vieles war sehr anders als ich es gewohnt war. Zum Beispiel bekommen sie hier einen “stocking”, die Weihnachtssocken, die traditionell vor dem Kamin hängen, den sie am Heiligabend öffnen. Normalerweise sind diese nur mit Kleinigkeiten und Süßigkeiten gefüllt. Außerdem bekommt am Heiligabend jeder einen Pyjama den man am nächsten Morgen zum Geschenke auspacken trägt. Am Weihnachtsmorgen stand dann jeder sehr früh auf und die Geschenke wurden schon vor dem Frühstück geöffnet. Ich habe jedem in meiner Gastfamilie etwas geschenkt und meine Eltern haben ein Paket aus Deutschland geschickt, wo für jeden etwas drin war, welches jedoch erst sehr viel später nach Weihnachten ankam. Meine Gastfamilie hatte auch ein paar Geschenke für mich, worüber ich mich auch sehr freute. Außerdem hatte ich dieses Jahr mal wieder ein weißes Weihnachten. Hier, im Bundesstaat Washington, liegt bereits seit Mitte Dezember viel Schnee, welcher wahrscheinlich auch noch die nächsten Monate, bis Februar, liegen bleibt.

kerstin weihnachten 3An Silvester kamen einige Freunde und Verwandte meiner Gastfamilie zu Besuch. Wir hatten draußen ein Feuer und um Mitternacht ein relativ großes Feuerwerk. Wegen dem vielen Schnee konnten wir auch Schlitten fahren gehen und dieses auch noch direkt vor der Haustür, weil wir auf einem kleinen Berg wohnen. In Deutschland hätte ich Silvester wahrscheinlich mit einigen Freunden ins neue Jahr gefeiert, aber sonst war es nicht sehr anders wie in Deutschland. An den Feiertagen hatte ich nicht sehr viel Heimweh, was unter anderem daran liegt, dass ich immer versucht habe etwas zu unternehmen um mich abzulenken.

 Mein Vorbereitungsseminar in Bad Honnef

Durch mein Vorbereitungsseminar habe ich viel über meinen Schüleraustauschkerstin1 und mein Gastland dazugelernt. Insgesamt waren wir um die 20 Austauschschüler und vier Teamer, die bereits eigene Erfahrungen im Ausland gemacht haben. Deswegen konnten sie uns auch sehr viele hilfreiche Tipps geben. Von uns Schülern werden bis auf vier, die nach Argentinien oder Chile gehen, alle ihren Austausch in den USA machen. Generell waren auf dem Vorbereitungsseminar alle sehr nett und offen.

Innerhalb der drei Tage haben wir viele verschiedene Themen diskutiert. Es ging zum Beispiel um die Vorurteile, die wir über unsere Heimat und unser Gastland haben. Dazu haben wir in Gruppenarbeit Plakate angefertigt, auf denen für das Land typische Dinge und Eigenschaften zu sehen waren.

Im weiteren Verlauf des Seminars haben wir besprochen, wie es sein wird, im Ausland zur Schule gehen. Es ging auch darum, wie man Herausforderungen bewältigt und mit Heimweh umgeht. Wir konnten auch von unseren Zielen und Erwartungen erzählen. Ziemlich am Ende haben wir noch einen Perspektivwechsel gemacht, der uns zeigen sollte, dass es nicht selbstverständlich von der Gastfamilie ist, einen Austauschschüler aufzunehmen. Für Gasteltern ist ein Schüleraustausch ein großer finanzieller, organisatorischer, zeitlicher und emotionaler Aufwand deswegen sollte man als Gastschüler so oft wie möglich versuchen, der Gastfamilie zu helfen.

Das Programm am Seminar-Wochenende war in Sessions gegliedert, in denen wir die Themen durchgingen. Jedes Thema konnten wir ausführlich besprechen, meistens in Gruppenarbeiten, Rollenspielen oder Ähnlichem. In der Session zum Thema „Herausforderungen“ zum Beispiel bekam jede Gruppe eine Herausforderung zugeteilt, die während unseres Schüleraustausches auftreten könnte. Dazu haben wir auch noch einen Filmtitel erhalten und mussten das Problem dann schauspielerisch im Stil des Filmes darstellen.

Am besten an meinem Vorbereitungsseminar gefiel mir, dass wir nicht die ganze Zeit nur zuhören und mitschreiben mussten, sondern einzelne Themen durch Rollenspiele oder in Gruppenarbeit erarbeiten konnten. Das hatte ich nicht erwartet und war sehr positiv überrascht.

Ich freue mich schon sehr darauf, bald für meinen Schüleraustausch in die USA zu fliegen und meine Gastfamilie kennenzulernen, auf die High School zu gehen und noch vieles anderes zu erleben. Durch das Seminar fühle ich mich jetzt auch viel besser auf meinen Schüleraustausch vorbereitet als vorher.

Victoria Schur
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