Laras Schüleraustausch in den USA

2016-05-06_17.06.07Hallo, ich bin Lara und bin 2015/2016 für ein Jahr in den USA zur Schule gegangen. Es braucht einiges, um für 10 Monate in ein anderes Land zu gehen, das tausende von Kilometern entfernt ist. Alles, was man mitnehmen darf, ist ein Koffer und eine Tasche. Das braucht Mut, jedoch ist das Bestreiten eines Austauschjahres eine besondere und wertvolle Erfahrung, die es Wert ist, ein Risiko einzugehen. Ich habe unendlich viele Erinnerungen gemacht und Erfahrungen gesammelt.

Ich kam nicht sofort in meine feste Familie. Drei Tage vor Abflug bekam ich eine E-Mail, die mir mitteilte, dass sie ein Mädchen meines Alters aus Georgien und mich vorerst in eine „Welcome-Family“ platzieren würden, bis sie eine endgültige Gastfamilie für mich gefunden hatten. Am 19. August ging es dann endlich los und die ersten Tage waren überwältigend. Ich hatte mir natürlich die Gegend meiner Gastfamilie zuvor im Internet auf Google Maps schon genau angeschaut, aber es sieht immer anders aus, wenn man sich tatsächlich dort befindet. Ich war nun in einer kleinen 8.000 Einwohner-Stadt in der Mitte von Michigan. Es ist nicht zu glauben, wie herzlich und offen jeder war, obwohl uns niemand kannte.

Die High School

Meine Schule war ein Traum. Sobald man sie betrat, kam man in eine Eingangshalle mit vielen Pokalen und besonderen Auszeichnungen von den Sportereignissen der vorherigen Jahre. Als „School Spirit“ bezeichnet man das besondere Gemeinschaftsgefühl, dass es in amerikanischen High Schools gibt. Es sind nicht nur die Farben Violett und Gold, die man überall finden konnte zusammen mit dem Schulmaskottchen, einer Wespe. Es ist die Zusammengehörigkeit, die sowohl von den Schülern als auch den Lehrern gelebt wird. Jeder war immer für einander da. Kein Lehrer hätte es einem Schüler abgeschlagen, seine Mittagspause oder den gesamten Nachmittag zu verbringen, wenn dieser Hilfe brauchte. Die Lehrer halfen solange, bis das Problem gelöst war.

Homecoming & Prom

Wie in den Filmen gab es an nahezu jeder Schule den berühmten2016-05-08_14.06.28
Homecoming Ball. Hinzu kommt in manchen Gegenden Snowcoming, ein Tanz am Ende der Basketball Saison im Winter, und am Ende eines jeden Jahres die Prom, der Abschlussball für die Oberstufe. Während die ersten beiden Bälle an meiner Schule eher locker und gelassen genommen wurden und ein Erscheinen in legerer Kleidung normal war, wurde um das Prom Kleid von jedem Mädchen ein großes Gewirbel gemacht. Jeder nahm es ernst und wollte gut aussehen. Anders als in den Filmen jedoch gab es zwar auch Dates als Begleitung zur Prom, jedoch verbrachten die meisten den Abend locker in einem größeren Freundeskreis. Obwohl es in Amerika ein häufiger Bestandteil der Prom ist, und bei jedem anderen Tanz der Fall war, wurden bei diesem Event weder ein König noch eine Königin des Abends gewählt. Begründet wurde dies mit der Tatsache, dass sich jeder als etwas Besonderes fühlen sollte.

Meine permanente Gastfamilie

Neben all diesen Sachen gab es im Alltag natürlich auch noch den prägenden Punkt der Gastfamilie. Meiner Meinung nach kann jeder Austauschschüler maßgeblich zu dem Erfolg des Jahres beitragen durch die persönliche Einstellung. Die Gastfamilie gilt jedoch als großen Faktor, der nur bedingt selbst beeinflusst werden kann. Ich kann gar nicht beschreiben, wie glücklich ich mich mit meiner schätzen konnte. Neben meiner super netten Welcome-Family, habe ich nach ungefähr drei Monaten dann meine endgültige Familie bekommen, und sie war einfach perfekt. Sie waren sehr herzlich und nahmen mich wie ihre eigene Tochter auf.

Alltag in Amerika

2016-04-17_15.22.37Nachdem die anfängliche Aufregung über jede Kleinigkeit allmählich in den Alltag überging, sahen die meisten Tage ziemlich ähnlich aus. Ich stand am morgen früh auf und fuhr dann mit der restlichen Familie in einem oder zwei Autos zur Schule, welche um acht Uhr anfing. Um 14:55Uhr endete der Unterrichtstag und gab mir für gewöhnlich um die 15 Minuten, um mich für meine sportlichen Nachmittagsaktivitäten vorzubereiten. Danach holten mich meine Gasteltern oder Schwester ab, da es in dem 1000-Einwohner Ort, wo sich meine Schule befand, keine öffentlichen Verkehrsmittel gab, die nach Hause fuhren. Meine Freizeit verbrachte ich unterschiedlich, sei es mit Freunden, der Familie, an Sonntagen in der Kirche, in der dazugehörigen Jugendgruppe, die ich regelmäßig mit meiner Gastschwester besuchte, oder mit anderen. Es war immer aufregend.

Feiertage

Heimweh ist ein häufiger Aspekt, den fast jeder Austauschschüler an mindestens einem Punkt durchlebt. Weihnachten sowie der eigene Geburtstag zählt hierbei oft als Gefahrenfaktor, wenn sich die meisten Austauschschüler wünschen, das vertraute Deutschland und die eigene Familie wieder zu sehen. Ich hätte mich jedoch zu dieser Zeit nicht mehr geliebt gefühlt haben können.

Während Silvester ohne Silvesterknaller nicht wirklich zelebriert wurde, war2016-04-03_23.11.33
Weihnachten auch in Amerika eine große Sache. Ich wurde von meiner Gastfamilie geradezu gewarnt, dass mein Bruder jedes Jahr so aufgeregt ist, dass er gegen fünf Uhr selbstständig aufwachte und es kaum erwarten konnte den Rest der Familie um sechs Uhr zu wecken. Zuckersüß, wie meine Gasteltern waren, hatten sie die Geschenke eines jeden Kindes genau zu einem Drittel unter dem falschen, weißen Weihnachtsbaum platziert. Ehrlich gesagt hatte ich überhaupt keine Geschenke erwartet. Von verschmitzten Andeutungen meiner Familie in den vorherigen Wochen wusste ich, dass sie mir auch etwas schenken würden, jedoch hatte ich nur an etwas Kleines gedacht. Gegenteilig zu dieser Annahme erwarteten mich jede Menge kleinere und größere Geschenke. Rührend fand ich die Tatsache, dass sie dabei offensichtlich wurde, wie gut sie mich schon kannten. Ich kann gar nicht beschreiben wie dankbar ich war. Es war eine wunderbare Zeit.

Mein Geburtstag war ebenfalls ein schönes Ereignis im Januar. Der Tag wurde perfekt, als sogar die Eltern meiner Gasteltern kamen, obwohl sie eine Anreise von mehreren Stunden nur für mich gerne in Kauf nahmen. Am Abend gingen meine Gastschwester und ich zudem noch zu einer speziellen Veranstaltung unserer Jugendgruppe, welche zufällig auf den gleichen Tag fiel und wo ich einen Großteil meiner Freunde traf. Die Veranstaltung wurde von vielen Menschen besucht, da sie eine große Auswahl an Angeboten machte, unter anderem Lasertag in der Kirche. All diese kleinen und großen Momente machten meinen Austausch einzigartig.

Abenteuer Austauschjahr – Fazit

2016-06-03_10.45.15Ich hatte eine wunderbare Zeit in den Staaten und zehn Monate sind leider so viel kürzer, als man glaubt. Ich habe wunderbare Verbindungen mit neuen Freunden geknüpft und eine bezaubernde zweite Familie bekommen, mit der ich definitiv in Kontakt bleiben werde. Ich habe außerdem als reiner Stadtmensch gelernt, dass auch das Leben auf dem Land seine Vorteile haben kann. Ich wollte es vor dem Jahr kaum glauben, aber es kommt wirklich nicht darauf an, wo man platziert wird, sondern auf die herzlichen und immer hilfsbereiten Menschen um einen herum. So oder so war das Ende viel zu schnell da und der Abschied hart. Auch wenn es sehr traurig war, konnte das Nachbereitungsseminar in Washington D.C. Abhilfe schaffen. Hier war es möglich mit vielen anderen Austauschschülern, die ähnliche Erlebnisse durchlebt hatten, die Erfahrungen auszutauschen.

Trotzdem ist es anfangs etwas komisch wieder nach Deutschland zu kommen,2016-06-06_11.12.39
wo man sich erst wieder einleben muss, in die doch eigentlich bekannte Umgebung. Maßgeblich geholfen hat es mir, dass meine deutsche Familie und ich für einen Monat eine Amerikanerin, Emma, aufnahmen, die einen Monat bei uns lebte. Ich kann definitiv sagen, dass mich diese zehn Monate in den USA geprägt haben. Als Austauschschüler kommt man nach dieser Zeit nicht als anderer Mensch wieder, allerdings kann es maßgenblich dazu beitragen, persönliche Werte, die man sich für sein Leben wünscht, zu erkennen und herauszufinden, was für ein Leben man selbst leben möchte und was wichtig ist.

Ich werde definitiv eines Tages in die USA zurückkehren und falls ich nur die Chance einer Möglichkeit dazu sehe, in Amerika studieren. Klar steht hierbei: Das Abenteuer ist noch nicht zu Ende.

Laras Erzählung wurde von uns gekürzt

Johanna Maurer
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