In den USA leben – Malte erzählt

Hey, ich bin Malte und bin ein Jahr lang in Amerika zur High School gegangen. An dieser Stelle möchte ich mich zunächst einmal bei allen bedanken, die es mir ermöglicht haben, ein Jahr in den USA zu verbringen, was eine unglaubliche Erfahrung war, die mich mein ganzes Leben lang prägen wird. Mein Jahr in Lansing, der Hauptstadt von Michigan, hat mich in meiner Persönlichkeitsentwicklung erheblich weitergebracht und mich in vielerlei Hinsicht reifer und selbstständiger gemacht. Ich habe unglaublich viele neue Bekannt- und Freundschaften geschlossen und interessante Menschen kennengelernt, die mir neue Sichtweisen auf die Welt ermöglicht haben. In meiner Gastfamilie habe ich eine zweite Familie auf der anderen Seite der Welt gefunden, die mir jederzeit eine Anlaufstelle sein wird und natürlich auch hier in Deutschland bei mir immer willkommen sein wird.

Meine Gastfamilien

Das Jahr hat mir so viel geboten, dass es schwer ist, alles aufzuzählen. Ich habe ein komplettes High-School-Jahr absolviert, Trips nach Chicago, Montreal und Vermont gemacht, große Sportveranstaltungen besucht und an Schultänzen teilgenommen. Außerdem habe ich mich im ersten Halbjahr dem Laufteam und im zweiten Halbjahr dem Golfteam der Schule angeschlossen, was vor allem in der Hinsicht wichtig war, dass ich dort die meisten meiner Freunde gefunden habe. Doch das Jahr war, wie wohl die meisten längeren Auslandsaufenthalte, nicht in jeder Hinsicht einfach. Im Januar verließ ich meine erste Gastfamilie, und zog bei meiner lokalen Ansprechpartnerin ein, die mir anbot, dass ich bis zum Ende meines Aufenthalts bei ihrer Familie wohnen könne, was sich im Nachhinein als großer Glücksfall für mich herausstellte, da ich mich dort auf Anhieb wohlfühlte und dies auch bis zum Ende tat. Obwohl ich zuvor lange gezögert hatte, wechselte ich schließlich aus verschiedenen Gründen meine Familie, was definitiv die richtige Entscheidung war. Aber auch diese Erfahrung sehe ich als wichtig und nützlich an, da ich durch sie selbstständiger wurde und einen Lebensstil kennengelernt habe, der sich komplett von dem unterscheidet, den ich von Zuhause gewohnt bin. Außerdem muss ich anfügen, dass auch meine erste Gastfamilie sehr gastfreundlich und liebevoll war, sodass wir uns im Guten getrennt haben.

Besondere Erfahrungen

MalteAußer der anfangs eher komplizierten Gastfamiliensituation habe ich an mein Auslandsjahr jedoch nahezu ausschließlich positive Erinnerungen. Eine der besten ist meine Teilnahme an der Model-United-Nations-AG meiner High School, mit der ich an insgesamt drei Konferenzen an verschiedenen Schulen und Universitäten teilnahm. Diese AG gab mir auch eine gute Gelegenheit, meiner Botschafterrolle gerecht zu werden, da ich gleich in der erste Konferenz zum Thema „Klimawandel und erneuerbare Energien“ Deutschland vertreten durfte, sodass ich mein Hintergrundwissen aus der Heimat einbringen konnte. Auch in den weiteren Konferenzen nahm ich an simulierten Sitzungen der Europäischen Kommission teil (zum Beispiel zur Flüchtlingskrise), zu denen ich eine europäischen Sichtweise einbringen konnte, was hoffentlich für die amerikanischen Teilnehmer wertvoll war.

Fragen über Deutschland

Meine High School bot Deutsch als Fremdsprache an, sodass viele meiner Mitschüler ein wenig Deutsch reden konnten und auch etwas über die deutsche Kultur gelernt hatten. Daher bot es sich an, in einigen der Deutschkurse Referate über das Leben hier zu halten, was ich gemeinsam mit einer weiteren PPP-Stipendiatin tat. Da die Schüler am meisten am alltäglichen Leben in Deutschland interessiert waren, redeten wir vor allem über Dinge wie das Schulwesen, die Freizeitgestaltung oder das Essen in Deutschland. Auch hier zeigten sich die amerikanischen Schüler sehr interessiert und stellten viele Nachfragen.

Amerikanische Politik

Malte3Besonders froh bin ich über die Einblicke in die amerikanische Politik, die ich während meines Aufenthaltes bekommen durfte. So bekam ich über meine Gastmutter die Gelegenheit, mich mit dem Fraktionsvorsitzenden der Demokratischen Partei im Landtag von Michigan zu treffen und eine Tour durch das Kapitol von Michigan zu machen, welches wie eine kleinere Version des großen Kapitols in Washington D.C. gebaut ist. Außerdem organisierte ich mir für den Zukunftstag meiner High School einen Platz bei dem Landtagsabgeordneten meines Bezirks, der sich viel Zeit für mich nahm und mich an einer Ausschusssitzung sowie an Gesprächen mit verschiedenen Interessenvertretern teilnehmen ließ. Auch seine Mitarbeiter gaben mir interessante Einblicke in das Tagesgeschäft eines amerikanischen Abgeordnetenbüros. Als besonderes Highlight des Tages nahm mich der Abgeordnete sogar in eine Parlamentssitzung mit, sodass ich hautnah miterleben durfte, wie er Unterstützer für seinen neuen Gesetzesentwurf suchte und wie der Landtag über Gesetze abstimmte.

Da mein Auslandsjahr in die Zeit der Vorwahlen für die US-Präsidentschaftswahl fiel, blieb ich davon natürlich nicht unbeeinflusst. Ich schloss mich der Gruppe „Lansing for Bernie Sanders“ an, mit der ich mich ab November 2015 wöchentlich traf und zum Beispiel Events plante, potenzielle Wähler anrief oder sogar an Haustüren klopfte, um Leute von Sanders‘ Politik zu überzeugen. Ich wollte gern den Wahlkampf des demokratischen Kandidaten Bernie Sanders unterstützen, da ich dessen Programm sehr ansprechend. In der Gruppe fand ich einige gute Freunde, die am Ende meines Jahres sogar zu meiner Abschiedsparty kamen. Am meisten werden mir jedoch von meiner Tätigkeit im Wahlkampf die beiden Großveranstaltungen von Bernie Sanders, denen ich live beiwohnen durfte, in Erinnerung bleiben, da es unglaublich faszinierend war, einen amerikanischen Präsidentschaftskandidaten sprechen zu sehen und die Begeisterung seiner Anhänger zu spüren.

Malte2

Alltag in Amerika

Malte4Auch wenn die politischen Aktivitäten und Erfahrungen unglaublich wertvoll und wichtig für mich waren, bestand mein Auslandsjahr natürlich hauptsächlich aus dem normalen Alltag einesamerikanischen High-School-Schülers. Beide meiner Gastfamilien gaben sich sehr viel Mühe, Dinge mit mir zu unternehmen. So fuhren wir zum Beispiel häufiger ins Theater, zu Jahrmärkten oder ins Kino. Auch mit meinen Freunden unternahm ich typisch amerikanische Freizeitbeschäftigungen, wie das Besuchen von American-Football Spielen, Bowling oder Ausflüge in Fast-Food-Restaurants. Am Ende des Jahres standen dann Highlights wie der Prom (der amerikanische Abschlussball) oder die Graduation, der High-School-Abschluss, an, die das Jahr perfekt abrundeten.

Vom Ende des Jahres wird mir vor allem meine Abschiedsfeier in guter Erinnerung bleiben, weil mir bewusst wurde, wie viele neue Freunde und gute Bekannte ich in meinen zehn Monaten am anderen Ende der Welt gefunden hatte, die ich nie vergessen werde. Wenn man daran denkt, dass jeder der knapp 300 PPP-Stipendiaten einen solchen Bekanntenkreis während seines Jahres aufbaut, wird einem bewusst, wie wichtig das Stipendium für die deutsch-amerikanische Freundschaft ist. Ich bin persönlich unglaublich froh darüber, dass mir die Ehre zuteilwurde. Dieses einmalige Erlebnis hat mich sowohl sprachlich als auch in meiner Entwicklung sehr viel weiter gebracht und wird mir auf ewig in bester Erinnerung bleiben.

Maltes Erzählung wurde von uns gekürzt

Johanna Maurer
Bei Fragen helfe ich
gerne weiter!
Telefon: 0221-913 97 33