Romans internationales Leben

„Wär das nicht auch was für dich? Ist auch nicht so teuer, würde noch passen!“, sagt mein Vater und hält mir einen PI-Flyer vom China-Kurzaustausch hin. Das war Anfang 2006, glaube ich, in Köln. Ich hatte gerade das PI-Auswahlgespräch für ein Jahr USA hinter mich gebracht. Mein Vater kommt aus dem Wartebereich und drückt mir den Flyer in die schwitzigen Hände. In den USA war ich dann auch, in Buffalo, wo ich im Winter 2006/2007 vom Schneesturm des Jahrhunderts so richtig begrüßt wurde. Hot wings – von wegen! Nothing but snow and ice! Davor, im Frühjahr 2006, ging es dank besagtem Flyer und gütigen Eltern aber erst für drei Wochen nach China!

Nach Amerika hab ich es nach meinem Schüleraustausch leider nie wieder
 geschafft. In China bin ich dagegen immerwieder gewesen, erst als Schüler in den Ferien, später als Student an der Uni, mittlerweile lebe und arbeite ich hier, in Peking. Wo ich heute wäre, wenn mein Vater den PI-Flyer vom China-Kurzaustausch damals nicht entdeckt hätte? Keine Ahnung!

PI-Mitglied geworden bin ich erst relativ spät, während des Studiums in Berlin, das muss so 2013 gewesen sein. Da gab es das Büro in Berlin-Mitte noch, natürlich mit Klaus Wuttich, der dort regelmäßig den PI-Treff organisiert hat. Zwischendurch hab ich ab und zu bei der Auswahl und Betreuung von Gastfamilien und Schülern geholfen, um zumindest ein ganz kleines bisschen zurückzugeben von dem, was PI mir gegeben hat.

Denn PI (und meine gütigen Eltern natürlich) haben mir eine ganz besondere Erfahrung ermöglicht: Erst drei Wochen Südchina, dann ein Jahr im amerikanischen Nordwesten – das absolute Kontrastprogramm, würde man meinen. Aber wirklich bewegt und geprägt haben mich nicht Unterschiede, sondern Gemeinsamkeiten! Meine Schulfreunde und ich, egal ob in Deutschland, China oder Amerika, wir hatten ähnliche Ängste und Sehnsüchte, die gleichen Hobbys und Interessen. Meine Eltern, egal ob die echten in Deutschland oder die chinesischen und amerikanischen Gasteltern am anderen Ende der Welt, alle hatten ähnliche Sorgen und Nöte im Alltag.

Natürlich gab es auch Unterschiede, aber mir ist über die Jahre eins immer klarer geworden: Das vermeintlich Fremde, das Andere ist nicht die Summe objektiver Unterschiede, sondern meistens einfach das, was wir als fremd, als anders wahrnehmen (wollen). Wer Gemeinsamkeiten zulässt und sich dafür sensibilisiert, der sieht schon bald Gemeinsamkeiten dort, wo vorher nur Unterschiede waren. Für mich hat dieser Prozess der Sensibilisierung mit meinem PI-Schüleraustausch vor über zehn Jahren angefangen. Dafür danke ich allen, die das möglich gemacht haben!

Johanna Maurer
Bei Fragen helfe ich
gerne weiter!
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