PPP-Stipendiaten erzählen: Robins Gastfamilienwechsel

In den nächsten Wochen berichten einige unserer PPP-Stipendiaten aus dem Schuljahr 2017/18 von ihrer Zeit in den USA. Jede und jeder von ihnen erzählt über ein besonderes Thema, das sie während ihres Austauschs besonders bewegt hat. Robin erzählt von seinem Gastfamilienwechsel und von den Erfahrungen, die er mit beiden Familien gemacht hat.

Meine Ankunft in Indiana

Vor einem Jahr begann meine Reise in die USA… Indiana sollte es also sein. Mittlerer Westen, USA pur! Indianapolis die drittgrößte Stadt nach Columbus und Chicago. Meine erste Gastfamilie war, wie ich es mir gewünscht hatte, afro-amerikanisch. Da mein Flieger spät ankam, holte mich nur meine Gastmutter Sheaundra ab. Chris, mein Gastvater, blieb mit den Kindern zuhause. Wir unterhielten uns und Sheaundra teilte mir mit, dass sie nur meine „Welcome family“ wäre und sie noch eine richtige Familie für mich suchten. Der Grund, dass sie mich nicht für ein ganzes Jahr aufnehmen konnten, war, dass Sheaundra noch ein drittes Kind erwartete.

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Meine Gastfamilien

Ich wurde jeden Morgen von meiner Gastmutter zur Schule gefahren und abends abgeholt. Nach der Schule konnte es dann schon manchmal etwas länger werden, da sie ja auch noch meine Gastschwestern abholen musste. Meine Gastfamilie war super nett und ich hatte zwei super süße Gastschwestern. Curstyn war acht Jahre alt und Samira ein Jahr alt. Ich habe mich nicht nur mit meinen jüngeren Gastschwestern gut verstanden, sondern auch mit meinen Gasteltern. Meine Gastmutter Sheaundra ist die Managerin für das Pendant der deutschen Austausch-Organisation im Umkreis von Indianapolis. Mein Gastvater Christophere ist ein liebevoller Familienvater, der super kochen kann. Jeden Tag nach der Schule beschäftigte ich mich mit meinen kleinen Gastschwestern, machte meine Hausaufgaben und danach aßen wir zu Abend.

Sonntags gingen wir als Familie oft in die Kirche, die ziemlich anders ablief als in Deutschland. Laute Pop-Musik und viele begeisterte Menschen. Ich fand es zwar sehr interessant diese Art von christlicher Gemeinschaft kennen zu lernen. Die Familie meiner Gastfamilie war super lieb und ich habe mich toll mit ihnen verstanden, bei normalen Zusammentreffen oder im Pool der Gastoma hatten wir immer viel zu lachen. Ich habe mich auch in der Kultur der Afro- Amerikaner richtig wohl gefühlt, sie gaben mir ein sehr familiäres und wohliges Gefühl, dazu gehörte viel gutes Essen, gute Musik und viel Humor. Wir mochten uns sehr gerne und wir spielten mit dem Gedanken, dass ich das ganze Schuljahr mit ihnen verbringen würde und nur während der zwei Monate mit dem Neugeborenen zu einer anderen Familie wechseln sollte.

Nach ein paar Wochen zog eine Mitschülerin am Lunchtisch in der Schule meine Aufmerksamkeit auf sich. Dusti war ihr Name. Sie trug Dread Locks und viele Ketten und Ringe. Außerdem gefiel mir ihr ausgefallener Kleidungsstil. Sie erzählte mir von ihrer unüblichen Wohnsituation. Sie und ihre Mutter lebten zusammen mit einem Ehepaar aus Phoenix, Arizona, in einem Haus mit viel Land, umgeben von Wald und Feldern. Sozusagen eine Wohngemeinschaft. Ich sagte ihr, dass ich ihre Familie gerne mal kennen lernen würde und wir tauschten unsere Kontakte aus und machten bald darauf schon einen Termin aus. Heidi, Dustis Mutter; Shanon, der Mitbewohner; und Dusti holten mich an einem Sonntag ab, um nach Broadripple, einem sehr schönen und hippen Ortskern von Indianapolis, zu fahren. In Deutschland am Sonntag shoppen gehen – unvorstellbar, aber in den USA Gang und Gäbe. Es war ein wunderschöner Tag bei den „Hippies“, wie ich sie gerne nenne. Und deshalb fragte ich Dusti danach, was sie davon halten würde, wenn ich bei ihnen einziehen würde. Sie war begeistert, aber leider hatten sie nicht mehr genug Platz im Haus, ich hätte kein eigenes Schlafzimmer gehabt. Für ein verlängertes Wochenende könnte ich aber gerne bei ihnen bleiben. Da Sheuandra über mehrere Tage nach Chicago fahren musste, nahm ich das Angebot an und verbrachte ein verlängertes Wochenende bei Dusti. Mir gefiel es auf Anhieb super. Ich war erstaunt, so offene Menschen, die ein ähnliches Weltbild wie ich haben, dort zu finden.

In meinen Herbstferien war ich in Denver. Als ich zurückkam, ging es für mich direkt zu Dusti, da Sheaundra noch einmal beruflich nach Chicago gefahren war. Der Herbst schien äußerlich ziemlich ruhig zu sein, aber innerlich habe ich über vieles nachgedacht. Sheaundra war mittlerweile hochschwanger und immer noch hat sie mich jeden Tag zur Schule gefahren und abgeholt, es wurde jedoch immer anstrengender für sie.

Im Dezember flog ich dann nach Washington DC und traf mich mit vielen anderen CBYX-Schülern. Als ich aus Washington zurückkam, teilte mir Sheaundra mit, dass ich in zwei Tagen zu Dusti ziehen würde, da das Baby früher als geplant kommen würde. Dustis Familie hat es also doch noch für mich möglich gemacht, dass ich zu ihnen ziehen konnte! Sheaundra war sehr traurig, als sie mir erzählte, dass ich jetzt umziehen müsste, und ich stand auch mit einem weinenden und einem lächelnden Auge da. Weihnachten durfte ich bei beiden Familien feiern.

Das Gute an meinem Gastfamilientausch war, dass ich mich immer noch mit beiden Familien sehr gut verstehe, was mir auch sehr wichtig ist. Jetzt habe ich also zwei amerikanische Gastfamilien, die unterschiedlicher nicht sein konnten. Auf der einen Seite die afro-amerikanische junge christliche Familie, auf der anderen Seite die weißen „Hippie- Buddhisten“. Ich habe wahrscheinlich genau so viel von meinem Jahr mitnehmen können, wie meine Gastfamilien auch von mir mitnehmen durften. Natürlich ist es sehr schwierig, als Austauschschüler eine ganze Nation zu vertreten, aber ich denke, man kann den Begriff „Botschafter“ auch symbolisch sehen. Im Großen und Ganzen war mein Auslandsjahr also ein voller Erfolg.

Claudia Kühne
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